VERAH®-Kongress: Lesen Sie hier die drei besten VERAH®Geschichten

 

 

In meinem Fall geht es um einen 49-jährigen Patienten, welcher seit 2009 an chronischer Pankreatitis litt und seit fünf Jahren trockener Alkoholiker war. Im letzten Jahr nahm dieser Patient rapide ab, hatte immer mal wieder Aszites und nur noch einen BMI von 16,1. Aber er kam immer noch in unsere Praxis, der Patient klagte nie, war immer freundlich und zugewandt.

Anfang Juni befand sich unser Patient fünf Tage in einer Klinik aufgrund von niedrigem Hb-Wert. Im Krankenhaus erhielt er zwei Erythrozyten-Konzentrate und wurde anschließend als stabil entlassen. Unsere Ärztin beauftragte mich dann eine Woche später, eine Blutbildkontrolle beim Patienten zu Hause durchzuführen.

Eigentlich wollte er noch zu Fuß in die Praxis kommen (etwa ¼ Stunde Fußmarsch). Als ich schließlich zum Hausbesuch eintraf, fand ich unseren Patienten noch abgemagerter auf der Couch liegend vor. Er klagte über starke Schmerzen, bekäme nichts zu essen herunter und könne nur mühsam etwas trinken, somit hatte er auch keine Kraft mehr. Ins Krankenhaus wollte er allerdings nicht.

Die Ehefrau des Patienten fragte mich, ob die Möglichkeit bestehe, ein Pflegebett zu bekommen, da dieser nun nur noch auf der Couch schlafe und kaum noch zur Toilette gehen könne. Ich war total geschockt über den schlechten Zustand unseres Patienten und darüber, dass wir auch nicht darüber informiert wurden. Mir war klar, hier muss sofort Hilfe her.

Ich erkundigte mich erst einmal, ob schon ein Antrag auf Pflegestufe laufe. Darauf antwortete die Frau:
„Noch gar nicht, bis jetzt war es ja noch nicht so schlimm.“

Ich erklärte ihr, dass wir trotzdem so schnell wie möglich ein Pflegebett und einen fahrbaren Toilettenstuhl besorgen könnten. Für das Bett müsste sie allerdings eine Kaution hinterlegen und monatlich ca. 35 Euro zahlen. Außerdem sollte sie am besten gleich an diesem Tag noch einen Antrag stellen, da sie in diesem Fall das Geld nach Bewilligung auch wiederbekäme. Während der Blutentnahme fragte ich meinen Patienten, wie stark die Schmerzen wären, worauf er mir sehr starke Schmerzen versicherte. Die Tropfen, die er gegen die Schmerzen nahm, würden nicht helfen, er hätte danach sogar starke Bauchkrämpfe. Ich erkundigte mich, welche Tropfen das sind, es waren Novamintropfen. Als wir über Zusatznahrung sprachen, sagte er, dass er schon einmal Fortimel hatte, und stimmte zu, diese wieder zu probieren. Nun versprach ich meinem Patienten, mich um alles zu kümmern und alles mit der Ärztin abzusprechen. Ich versicherte ihm auch, dass Frau Dr. nach der Sprechstunde noch einmal vorbeikäme.

Obwohl ich noch andere Hausbesuche hatte, fuhr ich sofort zurück in die Praxis und schilderte meiner Ärztin das dringende Anliegen. Da sie weiß, dass ich nur in dringenden Fällen zu ihr komme und ich die Situation durch meine jahrelange Tätigkeit im stationären onkologischen Bereich und jetzt als VERAH® relativ gut einschätzen konnte, trug sie mir sofort auf, ein Schmerzpflaster zu kleben und ein Schmerzmittel zu spritzen. Alles weitere zur Schmerzmitteleinstellung wollte sie dann selbst beim Patienten besprechen. Ich setzte mich noch mit unserer REHA-Abteilung in Verbindung, schilderte die dringende Notwendigkeit von Pflegebett und Toilettenstuhl und legte die Rezepte aufs Fax.

Mir wurde versichert, dass beides noch am gleichen Tag geliefert werden würde. Ich wusste, dass auf unser REHA-Team Verlass ist. Nun machte ich mich mit Schmerzpflaster, Spritze und Fortimelrezept noch einmal auf den Weg zum Patienten. Ich erklärte ihm, dass mir die Ärztin die Verabreichung der Schmerzmittel aufgetragen hatte und erkundigte mich, ob er damit einverstanden sei. Seine Augen sahen mich erwartungsvoll und dankbar an, er wollte seine Schmerzen natürlich los haben. Ich informierte ihn noch, dass das Pflegebett am Nachmittag noch geliefert würde und die Ärztin später noch zum Hausbesuch komme. Ihm fiel ein Stein vom Herzen und er bedankte sich aufrichtig für alles. Ich war tief berührt von seiner sichtbaren Erleichterung.

Als meine Ärztin am Nachmittag beim Patienten eintraf, war dieser schon relativ frei von Schmerzen. Sie stellte ein Schmerzschema auf, besprach auch mit der Ehefrau den kritischen Zustand ihres Mannes und zeigte noch weitere Hilfen auf. Sie entschieden sich auch noch für eine Hauskrankenpflege zur Übernahme der Körperpflege. Die häusliche Pflege half auch gleich mit bei der Bewältigung der Bürokratie mit der Krankenkasse. Ein paar Telefonate und Faxe hin und her und der Pflegeantrag war gestellt.

Am nächsten Tag erfuhren wir vom Pflegedienst, dass der Patient überglücklich sei, keine Schmerzen mehr zu haben und prima im Pflegebett geschlafen hätte, viel besser als auf der Couch.

Doch noch am selben Tag rief die Ehefrau des Patienten gegen 12:30 Uhr aufgeregt in der Praxis an. Ihr Mann bringe „alles schwarzes Zeug oben heraus“.

Sofort machten wir uns auf den Weg zum Patienten. Als wir dort eintrafen, war dieser bereits tot. Er hatte kaffeesatzartig erbrochen und dann ging alles ganz schnell. Ich war erst einmal geschockt und mein erster Gedanke war:
„Ein Tag im Pflegebett, das war’s… alles umsonst??!“

Dieser Gedanke ging mir den ganzen Nachmittag nicht mehr aus dem Kopf. Mittlerweile sehe ich es allerdings etwas anders.

Wir haben alles für unseren Patienten getan, er hatte keine Schmerzen und war frei von Sorgen, was die Belastung seiner Frau betraf. Denn er wusste, er wird jetzt gut versorgt werden. Dass es so schnell ging, konnte keiner ahnen. Ihm blieb allerdings auch ein längeres Leiden erspart und somit konnten wir doch noch so viel für ihn tun.

Ich habe diese aktuelle Geschichte auch niedergeschrieben, um alles selbst noch einmal zu verarbeiten.

Unsere Arbeit ist nicht immer leicht und in vielen Fällen geht eben nicht immer alles gut aus. Trotzdem sind unsere Mühen nicht umsonst. Wir können Verständnis und ein paar gute Worte aufbringen und Wege aufzeigen, um die Pflege zu erleichtern.

Wir können Hoffnung und Zuversicht verbreiten, damit haben wir eigentlich schon viel für unsere Patienten und auch deren Angehörige getan.

Ich arbeite seit über 30 Jahren als Arzthelferin bzw. Arztfachhelferin und jetzt schon mehrere Jahre mit der Zusatzausbildung VERAH® in einem kleinen Städtchen in sehr ländlicher Umgebung am Rande vom Schwarzwald. Ich arbeite sehr gerne hier und es gibt viele kleine Geschichten mit, über und um unsere Patienten.

Als VERAH® arbeite ich auch eng mit den örtlichen Pflegediensten zusammen, mache oft Hausbesuche bei Patienten und habe unter anderen im Rahmen vom Wundmanagement sehr oft mit verschiedenen Wunden zu tun.

Es ergab sich eines Tages, dass mich meine Ärztin nach einem Hausbesuch zu einer über 90-jährigen dementen, bettlägerigen Bäuerin schickte, ich sollt' mir doch die Nekrose an der Ferse anschauen und alles weitere mit den Angehörigen und der pflegenden Polin, nennen wie sie hier einfach Maria, veranlassen.

Die Patientin wohnte mit Maria alleine, aber der Stall stand noch voll mit Vieh, das der Sohn versorgte. Der Hausbesuch war nicht einfach, da ich meine Patientin kaum berühren durfte, aber mit Maria habe ich es dann auch ganz gut hinbekommen. Mir klingen noch heute die Worte in den Ohren, wenn Maria dabei sagte:
„Kein Schmerz Rosa, kein Schmerz!!! Alles gut Rosa!“

Ich veranlasste dann mit den Angehörigen, dass zum Verbandswechsel die örtliche Diakonie mit eingeschaltet wurde, aber ich besuchte regelmäßig die Patientin, um Wunddokumentationen zu erstellen und nach Absprache mit meiner Chefin ggf. die Therapie zu ändern.

Eines Tages war ich wieder dort, um bei meiner Patientin Rosa (Namen geändert) die Wunde zu dokumentieren. Da stand plötzlich der Sohn mit Stallkleidung und grünen, mistverschmierten Gummistiefeln im Krankenzimmer. Er sagte zu mir:
»Frau Doktor, meine Mutter hat einen geblähten Bauch und Verstopfung.«

Ich wollte ihn gerade aufklären, dass ich nicht Frau Doktor bin, sondern die VERAH®, doch Maria kam mir zuvor. Sie sagte laut und mit energischer Stimme

»DAS IST nicht Doktor Bauch!!!! Das ist Doktor Fuss. Doktor Bauch - andere Frau doktor!!!!«

Da standen sie nun. Ganz plötzlich und viel zu früh. Mitten in der Praxis. Ein komplettes Fernsehteam. Fünf an der Zahl. Sie kamen wegen mir. Naja, eher wegen meiner zusätzlichen Ausbildung als VERAH®. Geplant war eine Fernsehdoku über die VERAH®. Und ich sollte während meiner Arbeit als VERAH® gefilmt werden.

Ausgerechnet ich! Doch die Überredungskunst meines Chefs und mein Glaube an mich selbst haben mich nach etwas Bedenkzeit dazu gebracht, diese Rolle zu übernehmen. Doch jetzt, wo sie alle vor mir stehen mit ihren Koffern und Kameras, möchte ich mich verstecken, verschwinden oder im Boden versinken.

»Was hab ich mir nur dabei gedacht? Ich bin so aufgeregt. Bestimmt bekomme ich kein einziges Wort heraus. Geschweige denn etwas Sinnvolles.«

Der erste Dreh sollte eine Blutabnahme sein.

»Echt toll!!«

Und das mit zittrigen Händen. Doch alles verlief gut und ich hatte keine Zeit mehr darüber nachzudenken, ob mein Make-up verwischt oder meine Haare zerwühlt waren. Es ging los und wir besuchten zwei von meinen VERAH®-Patienten. Ich konzentrierte mich auf das, was ich kann und gerne tue.

Nämlich als VERAH® arbeiten.

Und irgendwie habe ich diesen Tag überstanden. Zum Glück!

Am darauffolgenden Sonntag sah ich mich selbst im Fernsehen. Sehr seltsam. Aber ich war sehr zufrieden und das Feedback vom Praxisteam und sogar von Patienten war gut.

»Hurra, wieder etwas geschafft.«

Ich bin sehr stolz auf mich, weil die meisten, die ich so kenne, hätten sich nicht getraut.

Ich aber schon!

>> Hier geht es zum Fernsehbeitrag <<

comments powered by Disqus